Das Wunder von Brest: Fiona Kolbinger gewinnt Transcontinental 2019

Fiona – allen (Männern) vorneweg

Fiona Kolbinger trägt die LEADER Kappe des TCR Transcontinental Race unter ihrem Helm, ihren Brillenbügel im Mund. Sie wirkt konzentriert. Die 24-Jährige hat das Rennen mit der Supernova E3 Triple 2 gewonnen.

Wir schreiben den 6. August 2019. Jede und jeder weiß, dieses Datum wird in die Geschichte des Radsports eingehen. Um exakt 7 Uhr 48 gewinnt Fional Kolbinger das Transcontinental Race TRCNo.7. Die 4.000 km und 40.000 hm bestreitet die 24-Jährige in 10 Tagen, 2 Stunden und 48 Minuten. Mit über 10-stündigem Vorsprung hängt sie den Zweitplatzierten Ben Davis ab. So fährt erstmals in der Geschichte des berühmten Langstreckenrennens eine weibliche Siegerin in die Zielgerade ein. Nach dem spektakulären Sieg der Ultra Endurance Läuferin Jasmin Paris beim Spine Race über 431 km im Januar 2019 und dem Erfolg von Lael Wilcox 2016 beim 6800 km langen Trans Am Bike Race reiht sich dieser Rekord in eine Reihe von Frauen auf Erstplatzierung bei Ultra Endurance Wettbewerben ein.

Atemberaubende Sicht auf eine Bergstraße des Transcontinental 2019, verschneite Hügel im Hintergrund, wolkiger Himmel.

Auf das Erstaunen für den Sieg dieser Neuerscheinung am Siegeshimmel – noch dazu von einer Frau – antwortet die frischgebackene Ärztin dem Journalisten Tom Bonnett, der sie für die neueste Folge des Transcontinental Podcast interviewt hat, mit einer gelassenen Erklärung. Bei einem Ultra Distance Race gehe es nicht nur um das physische Vermögen, und vor allem nicht ausschließlich um den Testosteronspiegel. Die Route müsse gut geplant, Essenseinkäufe flott erledigt und das Rad instandgehalten werden. Mit wenig Schlaf- und Pausenzeiten auskommen, keine Zeit vertrödeln, solche Dinge eben. Bei Kurzdistanzrennen sei die physische Kondition weitaus bestimmender.

Fiona Kolbinger repariert ihr Fahrrad. Um ihre Schulter hängen Ersatzschläuche.

Das Transcontinental Race ist eines der härtesten Radrennen der Welt. In diesem Jahr beginnt es in der bulgarischen Stadt Burgas am Schwarzen Meer und endet, den europäischen Kontinent einmal durchquerend, im bretonischen Hafenstädtchen Brest in Frankreich. Das Besondere: Bei diesem Rennen sind die Fahrenden auf sich alleine gestellt und entscheiden individuell über die Route und ihre Ruhezeiten. „The clock never stops“, so die Selbstbeschreibung des TCR. Einzig die vier Kontrollpunkte müssen auf dem Weg passiert werden.

Fiona trägt die Leadermütze vom TCRNo.7

Doch allein durch Charakterstärke scheint sie dieses Rennen doch nicht gewonnen zu haben. Durchhaltevermögen, Schnelligkeit, Effizienz: Als ihr STRAVA-Profil analysiert wird, fallen diese Qualitäten sofort ins Auge. Fiona hat bereits einige solide Langstrecken hinter sich. In der Welt der Ultra Distance Races ist sie jedoch eine Neuerscheinung. 

Humor, den hat sie auch. Von ihrem Zusammenprall mit dem serbischen Grenzzaun erzählt sie lachend. Eigentlich wollte sie nur einem Mitfahrenden winken – man trifft ja sonst nicht so häufig auf andere. Auf ihren Ausweis musste sie trotzdem eine halbe Stunde warten. Da musste erst der Grenzchef benachrichtigt werden. Das wiederholte „hey, I’m on a race“ hat nichts geholfen.

Bergetappe durch den Wald für Fiona Kolbinger. Sie lacht in die Kamera

Woran denkt jemand, der zum ersten Mal in seinem Leben in einem Langstreckenrennen in Führung liegt? Einen großen Teil der Fahrt habe sie mit Rechnen verbracht, wieviele Kilometer bis zum nächsten Kontrollpunkt, wieviel Zeit wohl bis zur nächsten Grenze. Das Handy habe sie sofort ausgeschaltet, als der mediale Ansturm losging. Hat sich lieber von der atemberaubenden Natur einnehmen und in die Gedankenlosigkeit abschweifen lassen. 

Panoramasicht auf Fiona Kolbinger beim TCRNo.7 in den Bergen

In Führung sei sie auch eher zufällig gegangen. Kurz nach Kontrollpunkt 2 auf einmal starker Regen, als sie aus dem Supermarkt tritt. Es ist schon spät, Fiona entscheidet sich für eine Schlafeinheit. Der von ihr gewählte Ort erscheint ihr zwielichtig. Dort, mitten in der Nacht, die Entscheidung weiterzufahren. Das war der Moment. Und der „race mode“? Ist kurz nach der österreichischen Grenze eingetreten. Im bergigen Gelände ist sie gut, das weiß sie. 

Am dritten Kontrollpunkt hat sie bereits alle Mitstreitenden hinter sich gelassen und baut nach einer Nacht mit einem Höhenanstieg von 5.000 m über 160 km ihre Führung aus. Kontrollpunkt vier erreicht die 24-Jährige nach siebeneinhalb Tagen und 2.500 km. Und was ist wohl das erste was sie macht, als sie im Hotel ankommt? The Lion Sleeps Tonight auf dem Klavier der Lobby spielen. Einfach so, aus einer Laune heraus. Nach sieben Tagen, die sie durchschnittlich vier Stunden in ihrem Biwak am Straßenrand geschlafen hat. Das muss man ihr erstmal nachmachen!

Fiona Kolbinger trägt die Siegermütze vom Transcontinental Race, das sie mit der E3 Triple 2 gewonnen hat.

Wie die Sieger der letzten vier Jahre vor ihr hat sich Fiona für das Transcontinental auf den Supernova E3 TRIPLE 2 verlassen. Der Powerstrahler wird nicht umsonst von vielen Ultra Endurance Sportlern genutzt. Als einer der hellsten Dynamoscheinwerfer der Welt braucht er nur minimale Energie und ist zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit. Mit dem E3 TRIPLE 2 ist das problemlos möglich, er leuchtet so lange die Räder sich drehen und sogar noch 5 Minuten länger durch das eingebaute Standlicht. 

Wir bei Supernova freuen uns riesig über Fionas Sieg und sind stolz, mit unserem E3 Triple 2 als kleiner Teil mit in die Geschichte eingehen zu dürfen! Herzlichen Glückwunsch, Fiona!

Fiona Kolbinger passiert die Grenze zum französischen Departement Haute Alpes
Link zu https://podcasts.apple.com/de/podcast/tcr-no7-fiona-kolbinger-interview/id1411621854?i=1000446802305
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Text: Myriel Hauser Ι Bildmaterial: Angus Sung / James Robertson Ι Zitat: Transcontinental / Fiona Kolbinger