Cape to Cape – „Ich mach das in 75 Tagen“

Ultra Endurance Sportler Jonas Deichmann über seine Challenge vom Nordkapp nach Kapstadt

„We have now crossed the Arctic circle and are pushing towards Russia. Constant headwind so far but legs are good and spirits high.“ Mit diesen Worten meldet sich Ultra Endurance Radsportler Jonas Deichmann vor einigen Tagen mit einem ersten Update in seiner neuen Challenge bei uns. Seit Anfang September 2019 ist er gemeinsam mit seinem Rennfahrerkollegen Philipp Hympendahl unterwegs.

Jonas Deichmann wird von Cape to Cape mit der Supernova Airstream 2 fahren

Cape to Cape: 18.000 km vom Nordkap bis nach Kapstadt. In 75 Tagen. Jonas Deichmann hat sich vorgenommen, den Weltrekord für diese Strecke zu brechen. Der liegt aktuell noch bei 102 Tagen. Vom beschaulichen norwegischen Örtchen Nordkapp, dem nördlichsten Punkt Europas, über die Türkei und die Arabische Halbinsel durch Ostafrika bis an den südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents, die vibrierende südafrikanische Metropole Kapstadt. Das bedeutet tägliche 11-13 Stunden auf dem Sattel verbringen. 240 km täglich, sagt der Taschenrechner. 10.000 Kilokalorien muss er auf solchen Extremtouren täglich zu sich nehmen. Das ist ganz schön viel Pasta.

Jonas Deichmann mit Partner begegnet Elch auf einer nordischen Straße

„An die Startlinie zu kommen, ist das Schwierigste“

Dem arktischen Wind trotzen? Giraffen und Löwen begegnen? Durstig die Sahara durchqueren? „Ich fühle mich einfach lebendig, wenn ich sowas mache“. Jonas Deichmann, mittelgroß, ziemlich bärtig, spricht in klaren Sätzen. Seit zwölf Jahren ist er ständig unterwegs. Was er am meisten vermisst, wenn er auf Tour ist? „Einen guten Kaffee am Morgen“. Bescheidene Antwort. In den vergangenen zwei Jahren hat der Extremsportler zwei Weltrekorde aufgestellt, Eurasia Challenge und Panamerica Solo. Training bedeutet für ihn, sich durch 100.000 Höhenmeter zu quälen. „Die harten Momente sind die besten Erinnerungen“.

Jonas Deichmann will einen neuen Weltrekord aufstellen. Hier ist er auf einer Challenge in Oman zu sehen.

„Ich fühle mich einfach lebendig, wenn ich sowas mache“

„Alleine in die Wildnis und exotische Länder entdecken“. Von Kind an liebt Jonas das Abenteuer, geht auf Weltumrundung mit dem Rad zu Studienzeiten, entdeckt seine Faszination für Ultra Endurance. Dann 2017 das Ziel: der Eurasien Weltrekord. Jonas hatte Glück, er fand Sponsoren, hielt Vorträge, der Plan kam ins Rollen. „Da hab‘ ich mein Hobby zum Leben gemacht“. Mit einem Rekord von 14.331 km in 64 Tagen. Hier sitzt er, redet über seine nächste Mammut-Tour, als „nächster logischer Schritt“ nach der Durchquerung des eurasischen Kontinents und der Panamerica Solo Tour vor einem Jahr quer durch die Amerikas: 23.000 km in 97 Tagen. Diesmal ist Europa längs dran, und Afrika. 

Jonas Deichmann auf seinem Weg zum Südkap über schwieriges Gelände

„Ich schaffe das in 75 Tagen.“

Alles beginnt mit einer klaren Bekanntgabe. „Ich schaffe das in 75 Tagen“. Kein Hoffen, kein Wollen, kein Können. 90 % so einer Challenge passieren im Kopf, denn der Körper ist nach sechs Tagen Quälen müde. Wie man anfängt? Einfach machen, so seine Devise. Das meiste lernt man dann unterwegs. „An die Startlinie zu kommen, ist das Schwierigste“. Und dann? Positiv denken. Egal ob Platzregen, Gegenwind oder brütende Hitze. Kleine erreichbare Ziele setzen. Die nächste Tankstelle, wo es Schokolade gibt. Ein Stundenziel anstreben, keine Kilometerzahl. Bestimmte äußere Faktoren sind nicht beeinflussbar. Und wenig Gepäck mitnehmen. Die meisten packen viel zu viel auf ihrer ersten Reise ein.

Hier spricht der Profi, das wird schnell klar. Routinierte Antworten. Wenn er nicht auf dem Rad sitzt, hält er Vorträge. Über seine Reisen und über die Motivation. Sein Equipment ist „aufs letzte Gramm optimiert“. Fünf Kilo sind verdammt wenig. Er weiß genau, was er braucht. Die Supernova Airstream 2 mit Tail Light und Power Bank ist bei jeder Tour fest eingeplant, ob Extreme oder 24h-Rennen. In seiner Entscheidung für die Supernova Beleuchtung ist Deichmann damals dem guten Ruf in der Branche gefolgt. Auf seine Strahler muss er sich 100 % verlassen können, vor allem dort, wo die nächste Werkstatt nicht gerade um die Ecke ist. Die Power Bank lädt er einfach beim Stopp im Restaurant. Während die meisten Langdistanzfahrer zu Supernova Dynamostrahlern greifen, hat er in seinem Airstream Power Team den perfekten Begleiter für seinen speziellen Einsatz gefunden. Das hat ihn noch bei keinem Rennen im Stich gelassen. Den Akkustrahler setzt er bei viel Verkehr auch tagsüber ein, zur Sicherheit. Und wenn er will, macht er die Nacht zum Tag.

Jonas Deichmann mit Partner auf seiner Cape to Cape Challenge abends am Lagerfeuer

„Wenn ich an Afrika denk, denk ich schon an Abenteuer.“

Auf dem Papier sieht die Strecke einfacher aus als die auf den amerikanischen Kontinenten. Doch Deichmann ist sich über mögliche Risiken im Klaren. Mit ruhiger Stimme erzählt er davon. Grenzen sind vielleicht unpassierbar, Medikamente werden schwer zu bekommen sein. Größere Pannen und Unfälle sollte er vermeiden. Deichmann spricht ohne Angst. Er ist schon mit gebrochenen Rippen weitergefahren. Seiner Sache ist er sich 100 % sicher. Und das erste was er macht, wenn er in Kapstadt ankommt? „Ins Meer reinspringen“. Hat er bei den letzten Rekorden auch gemacht und hat in gewisser Weise Symbolstatus erreicht. Wir freuen uns aufs Selfie! 

Jonas Deichmann nach sieben Tagen auf seiner Challenge Cape to Cape_Picture Pål Laukli
Jonas Deichmann zeigt auf das Straßenschild, das die Grenze zu Finnland markiert_Foto Pål Laukli

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Text: Myriel Hauser Ι Bildmaterial: Jonas Deichmann, Pål Laukli, David Saintyves, Thiebaut Veroz Ι Zitate: Jonas Deichmann