Ultra beginnt im Kopf: Mindset, Material und mentale Stärke. Ein Interview mit 7RIVERS Sieger Bartlomiej Mucha.

08/06/2026

Dieses Interview mit Bartlomiej Mucha, Gewinner der Erstausgabe des Rennens 7RIVERS, gibt Einblicke in die Welt des Ultra-Cyclings: mentale Krisen, lange Nächte, technische Herausforderungen und die Frage, was wirklich zählt, wenn ein Rennen über viele Stunden oder sogar Tage geht.

Welche Rolle spielt das Mindset bei einem so langen Rennen?

Im Ultra spielt der Kopf eine enorme Rolle. Jeder hat einen Moment der Krise, der Müdigkeit oder des Zweifelns, und genau dann entscheidet die Psyche, ob du weiterfährst. Die Beine sind wichtig, aber ohne einen starken Kopf ist es schwer, ein wirklich langes Rennen zu beenden.


 

Glaubst du, dass es so etwas wie die perfekte Vorbereitung auf ein Ultra gibt?

Ich glaube nicht. Man kann körperlich und materialtechnisch hervorragend vorbereitet sein, aber im Ultra passiert immer etwas Unvorhergesehenes. Das Wichtigste ist, auf Probleme reagieren zu können und ruhig zu bleiben.

 

Was machst du, wenn während der Fahrt eine Krise oder Zweifel aufkommen?

Wenn eine Krise aufkommt, rufe ich sehr oft meine Frau an. Sie schafft es immer, mich wieder aufzurichten, mir Mut zu machen und mich daran zu erinnern, warum ich das mache. Sie ist mein mentaler Support während der Rennen. Leider hat das bei diesem Start nicht funktioniert, weil mir die komplette Ladeelektronik ausgefallen ist und ich praktisch ohne Kontakt war.

 

Wie wichtig ist dir das Material im Ultra-Cycling?

Das Material ist sehr wichtig, denn im Ultra muss alles über viele Stunden ohne Unterbrechung funktionieren. Es geht nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um Komfort und Zuverlässigkeit. Schon eine kleine Panne nach einigen hundert Kilometern kann sehr viel durcheinanderbringen.

 

Womit würdest du vor einem wichtigen Rennen niemals experimentieren?

Ich würde auf jeden Fall nicht mit der Position, dem Sattel, den Schuhen oder der Ernährung experimentieren. Vor einem wichtigen Start muss alles getestet und sicher sein.

 

Und wo testest du gerne neue Lösungen?

Ich liebe es, technologische Neuheiten zu testen 😁 Besonders dann, wenn sie den Fahrkomfort verbessern oder das Risiko von Defekten verringern können. Im Ultra können selbst kleine Verbesserungen nach einigen hundert Kilometern einen großen Unterschied machen. Solche Dinge teste ich auf langen Trainingseinheiten.

 

Was war der schwierigste Moment des gesamten Rennens?

Der schwierigste Moment kam, als mir die komplette Elektronik ausgefallen ist: Powerbanks, Telefone und die Möglichkeit, die Ausrüstung normal zu laden. Ich musste mit dem Laden an Tankstellen, auf Bauernhöfen oder in Pförtnerlogen improvisieren, und die ganze Zeit saß die Unsicherheit im Kopf, ob ich es überhaupt bis ins Ziel schaffen würde. Und natürlich die zweite Nacht – sie ist körperlich und mental immer sehr hart.

 

Was gibt dir Ultra, das du im normalen Leben nicht findest?

Ultra gibt mir ein Gefühl von Freiheit und kompletter Loslösung vom Alltag. Es zählt nur die Straße, das Fahren und der nächste Kilometer. Es ist auch eine großartige Lektion in Charakterstärke und im Kampf mit sich selbst.

 

Was würdest du jemandem sagen, der von seinem ersten Ultra träumt, sich aber nicht traut, es zu versuchen?

Ich würde sagen: Probier es einfach aus. Jeder hat irgendwann einmal angefangen, und jeder hatte vor dem ersten Start Bedenken. Man muss nicht perfekt vorbereitet sein – das Wichtigste ist, den ersten Schritt zu machen und Erfahrung zu sammeln.

 

Gewinner Bartlomiej Mucha: https://www.instagram.com/ultra.tataa/

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