"Auf Dienstreise" Folge 7: Ausnahmezustand
22/01/2026
Erstmal frohes Neues! Viele schöne und vor allem unfallfreie Pendelkilometer wünschen wir Euch. Damit wären wir auch direkt beim Thema, denn „unfallfrei“ war Anfang Januar 2026 leider kein Selbstläufer.
Der Winter in Deutschland hat – abgesehen von den Höhenlagen – immer auch etwas Rituelles. Dazu gehört Anfang Dezember die bange Frage, ob es mal wieder weiße Weihnachten geben könnte, genauso wie eine gewisse Lust am Untergang, wenn es dann wirklich schneit, so wie in der ersten Januarhälfte.

Spoiler: Bei uns im Rheinland reichen schon drei Schneeflocken, um den Autoverkehr zum Erliegen zu bringen. Liegt erst einmal eine geschlossene Schneedecke, überschlagen sich die Ereignisse förmlich. Der Winterdienst stößt binnen Stunden an seine natürlichen Grenzen. Es reicht gerade noch, um Autobahnen und Hauptstraßen befahrbar zu halten und sie mehrfach mit Salzlösungen zu „impfen“. Rad- und Fußwege werden dann eher nach dem Lotterieprinzip geräumt, Nebenstraßen scheinen gar keine Rolle mehr zu spielen.
Die Boulevardpresse fährt derweil schwere verbale Geschütze auf: Extremwetter, Schneewalzen, Katastrophenwinter – nur einige der gängigen Schlagworte.
Betroffenheiten im winterlichen Verkehr
Klar, das betrifft Pendler zunächst unabhängig vom Verkehrsmittel. In den sozialen Medien kursieren Fotos von vereisten Radwegen, Autounfällen und liegengebliebenen Zügen. Darunter finden sich wüste Beschimpfungen aller Art. Der Tenor reicht von „Gleiches Recht für alle beim Winterdienst!“ bis zur Gegenposition „Selbst schuld, wer bei dem Wetter Rad fährt!“ – und natürlich der Klassiker: „Zahlt erstmal Steuern!“
Böse Zungen behaupten, dass diejenigen, die das Radfahren im Winter madig machen, oft dieselben sind, die sonst gerne anführen, im Winter fahre ja ohnehin niemand Rad und man könne sich entsprechende Infrastruktur sparen. Diese Behauptung ist schlichtweg falsch – die Spurenlage auf verschneiten Wegen ist eindeutig.

In solchen Diskussionen erwidere ich gerne, dass ich aufs Fahrrad angewiesen bin. Zu Fuß ist der Arbeitsweg zu weit, andere Verkehrsmittel sind in meiner Lebenssituation zu unzuverlässig – gerade im Winter. Zugegeben, etwas überspitzt, aber mit einem sehr realen Kern.
Gibt es eine Lösung für den Winterdienst?
Ich arbeite in der Logistikbranche. Kurz vor Weihnachten haben wir regelmäßig einzelne Tage mit der zwei- bis dreifachen Menge im Vergleich zum Jahresdurchschnitt. Das ist jedes Jahr eine Herausforderung. Mir ist also bewusst, dass man Winterdienst mit klaren Prioritäten betreiben muss: Gefahrenabwehr, Freihalten von Rettungswegen und Sicherstellung des öffentlichen Lebens. Niemand kann Ressourcen ganzjährig auf einen kurzen Zeitraum im Jahr ausrichten.
Aber andere Städte zeigen, dass man Radinfrastruktur auch im Winter attraktiv und sicher gestalten kann. Wie es ein finnischer Stadtplaner aus Oulu einmal treffend formulierte:
„Beim Schneeräumen zeigen Städte, wen sie schützen wollen – und wen nicht.“
Da ist definitiv etwas dran. In Oulu und anderen fahrradfreundlichen Städten werden im Winter zuerst Fuß- und Radwege geräumt. So entstehen im Schneematsch erst gar keine tiefen Spurrillen, die später gefährlicher sind als eine gleichmäßige Schneedecke. Erst danach folgen – umgehend – die Straßen.
Menschen in vierrädrigen Fahrzeugen mit Winterreifen sind bei angepasster Fahrweise deutlich weniger vulnerabel als Menschen auf zwei Beinen oder zwei Rädern. Trotzdem sind in deutschen Städten die Hauptstraßen meist dauerhaft frei, die Radwege irgendwann an der Reihe – und bei Gehwegen verlässt man sich gerne auf die Räumpflicht der Anwohner.

Wer meint, dadurch würden automatisch Rettungsdienste behindert oder Regale leer bleiben, blendet aus, dass viele Menschen in systemkritischen Berufen ihren Arbeitsweg oder sogar ihre Arbeit selbst mit dem Fahrrad erledigen.
Am Ende geht es um eine sinnvolle, machbare Verschiebung von Prioritäten – nicht darum, das eine zu tun und das andere zu lassen. Unter diesen Bedingungen könnten sich deutlich mehr Menschen auch im Winter aufs Rad trauen und selbstbestimmt über ihre Mobilität entscheiden.
Eigenverantwortung beim Radfahren im Winter
Bis es so weit ist, sollte man das Fahrrad tatsächlich stehen lassen, wenn man sich unsicher fühlt. Alle „Berufsradfahrer“, aka Profipendler, greifen in dieser Zeit zum Gravelbike mit breiten Reifen oder ziehen bei wirklich üblen Bedingungen und Glättegefahr Spikes auf.
Das ist zwar der größte anzunehmende Unfall für das Fahrgefühl, aber immerhin bleiben die Knochen heil. Und ganz ehrlich: Schön ist es ja trotzdem. ☺️

…und aktuell sieht es so aus, als hätten wir nach einer Woche das Schlimmste erstmal überstanden.
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